HAMBURGER ABENDBLATT

Mehr Jazz für Eppendorf (14.12.2011)

Eigentlich war Wilfried Lottmann in der Werbung tätig – bis er sich vor fünf Jahren dazu entschied, die „Bar Italia“ in Eppendorf zu eröffnen. In dem kleinen Restaurant in der Klosterhof-Passage veranstaltet Lottmann regelmäßige Jazzkonzerte. Jeden Freitag und Sonnabend treten dort sowohl Hamburger als auch überregionale Jazzkünstler auf. Und der rührige Eppendorfer plant mehr: Im Sommer möchte Wilfried Lottmanm Konzerte auf dem Marie-Jonas Platz stattfinden lassen.

Eigentlich hätte er das Konzept für die Bar Italia für einen Werbekunden entwickelt. „Der ist aber abgesprungen und dann habe ich es übernommen“, sagt Wilfried Lottmann. In der Werbebranche sei er nicht mehr zufrieden gewesen und sozusagen ein „Greis“, so Lottmann. Seit 2005 führt er nun das Restaurant mit seiner Partnerin Ulla Stoeppler.

Schon lange hat der 55-Jährige eine Schwäche für Musik. „Jazz spielt seit 30 Jahren eine wichtige Rolle in meinem Leben“, sagt er. Daher lag es für ihn nahe, in seinem Restaurant auch Konzerte anzubieten. Diese seien für die Restaurantbesucher kostenlos, so Lottmann. Als Werbeprofi hatte er bereits mit vielen großen Plattenfirmen zusammengearbeitet, was die Konzertorganisation für ihn erleichterte.

„Der erste, der hier gespielt hat, war der kürzlich verstorbene Ladi Geisler“, sagt Lottmann. Und hier in der Bar Italia hätte der Musiker auch sein letztes Konzert gegeben, so Lottmann. Während eines Auftritts vor rund fünf Wochen erlitt er einen Herzinfarkt und erlag diesem einige Tage später. „Er hat immer gesagt, wenn er sterben muss, will er das mit einer Gitarre in der Hand tun“, sagt Lottmann. Geisler war nicht nur lange Zeit Lottmanns Gitarrenlehrer sondern auch ein guter Freund gewesen.

Jazzmusiker Geisler hatte dem frisch gebackenen Barbetreiber am Anfang dabei geholfen, Musiker für Konzerte in dem kleinen Restaurant zu gewinnen. Mittlerweile treten über 60 verschiedene Jazzmusiker regelmäßig in der Bar Italia auf. Namenhafte Künstler wie Wolfgang Schlüter und Herb Geller haben schon hier gespielt. Insgesamt ist auf der „Bühne“ nur Platz für drei Musiker. Für die Konzerte räumt Lottman einen Tisch beiseite. „Ich engagiere meistens einen Künstler, der sich noch zwei Partner suchen kann“, sagt Lottmann, „musikalisch gebe ich kaum Vorgaben“. In der Bar Italia will Lottmann auch jungen Nachwuchsmusikern eine Plattform geben, vor Publikum aufzutreten. „Newcomer aus der Musikhochschule spielen oft hier, es gibt dort wirklich tolle Talente“, sagt er.

Im Sommer 2012 will Lottmann den Marie-Jonas-Platz zur Konzertbühne machen. Gemeinsam mit der Kulturbehörde und dem Kulturausschuss Eppendorf plant er zwei Jazzkonzerte unter dem Namen „Friday Night in Eppendorf“. „Ich wohne hier um die Ecke und gehe jeden Tag über den Platz. Ich finde ihn baulich sehr trist und habe mir gesagt: ‘Hier muss man etwas veranstalten’“, sagt er. „Das Bezirksamt war von der Idee sofort begeistert. Sie haben ein großes Interesse daran, den Platz weiter zu beleben“, sagt Lottmann.

Abgesehen von der Musik wird es auch Feinkost- und Getränkestände geben. „Wir wollen ein richtiges Stadtteilfest veranstalten, für jung und alt, bei freiem Eintritt“, sagt der 55-jährige.

Alle Künstler, die bei den geplanten Friday-Night-in-Eppendorf-Konzerten auf dem Marie-Jonas Platz auftreten werden, haben zuvor schon einmal bei Lottmann in der Bar Italia gespielt. Neben Wolfgang Schlüter und Herb Geller stehen auch die Auftritte von Mitgliedern der NDR Bigband und Studenten der Musikhochschule auf dem Programm. Ein Abend soll der Musikrichtung „Gypsi-Swing“ gewidmet sein. Das bekannte niederländische Gypsi-Swing Trio „The Rosenberg Trio“ und auch die Hamburger Band Django Deluxe werden spielen.

Der Inhaber der Bar Italia hofft, mit seinen Konzerten dazu beizutragen, dass die Eppendorfer eine stärkere Bindung zum Marie-Jonas Platz aufbauen.

Autorin: Antonia Eser-Ruperti

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HAMBURGER MORGENPOST

Klein, aber ganz fein - Nach einem Besuch in der Bar Italia bleibt dem Besucher nur eins: Lächeln!

Ein wenig versteckt, ein bißchen klein, die Speisekarte übersichtlich - Zutaten, um für einen Geheimtipp in der Gastro-Szene zu taugen. Auch wenn in der Bar Italia die Räumlichkeiten beengt sind (aber familiär wirken), und auf der vorgelagerten Plaza nur bei guter Wetterlage geschmaust werden kann - das Essen ist einfach gut!

Wir starten ganz klassisch mit Antipasti - eingelegte Zucchini, Aubergine, Pilze und ein leckeres Vitello tonnato (12 Euro). Erfrischend, dass diese Antipasti nicht vom Großmarkt stammen, sondern ganz offensichtlich selbst gemacht sind. Dafür gibt es schon mal einen dicken Pluspunkt! Denn der Unterschied ist gravierend. Auf Empfehlung der Bedienung lassen wir uns überreden, ausnahmsweise einen Rosé zu bestellen. Und siehe da: Wir sind begeistert. Der Cabernet Rosé (Flasche 16,80 Euro) ist ein Gedicht mit äußerst feinen Aromen. Die Weinkarte ist im Übrigen gespickt mit Angeboten zu fairen Preisen. Da macht die Bestellung Spaß und lässt den Gast über die Zeit hinaus verweilen - denn ein kleiner Tropfen geht noch.

Derart angefüttert entscheiden wir uns für Linguine mit Rinderfiletspitzen und Pfifferlingen (14,50 Euro). Ein Gericht, das Edel daherkommt. Einzig das Fleisch hätte ein wenig mehr Zartheit vertragen können. Das Saltimbocca mit Röstkartoffel und Blattspinat (14,50 Euro) hingegen ist perfekt. Ein italienischer Klassiker, der keine Wünsche übrig lässt. Und auch das Tiramisu und die Mousse au Chocolat (jeweils 5,50 Euro) sind in ihrer Einfachheit überzeugend. Saftig und geschmackvoll. Ein Italiener der altbekannte Klassiker ohne Schnickschnack, aber mit viel Liebe zubereitet. Das schmeckt der Gast, und er lächelt zufrieden.

Autorin: Renate Pinzke